„Der Jude mit dem Hakenkreuz“ – Pannesheider Grundschüler*innen stellen Lorenz S. Beckhardt Fragen zu seinem Buch und zu seiner Biographie

 

Lorenz S. Beckhardt ist Journalist und Autor. Erst jenseits der Vierzig haben seine Eltern ihn wissen lassen, dass er einer jüdischen Familie entstammt. Viele seiner Verwandten fanden in den NS-Konzentrationslagern den Tod, die eigenen Eltern retteten sich durch Emigration nach England, gehörten aber zu den wenigen, die nach dem Krieg in ihr Heimatland  Deutschland zurück kehrten. Beckhardt beginnt,  sich mit der verschütteten Familiengeschichte zu befassen, tritt selbst dem Judentum bei und schreibt 2007 ein Buch, in dem es vornehmlich um „den Juden mit dem Hakenkreuz“, seinen Großvater, einen Fliegerheld des ersten Weltkriegs  geht, aber auch um die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse im Dritten Reich unter Adolf  Hitler. Aus Anlass der diesjährigen ‚Internationalen Wochen gegen Rassismus‘  folgte Lorenz Beckhardt am 21.03.2019 einer Einladung der GS Pannesheide nach Herzogenrath und erzählte den Grundschüler*innen vom Leben seiner deutsch-jüdischen Familie zur Zeit des Nationalsozialismus.

 

In einer „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ (SoR-SmC) steht die Auseinandersetzung mit Unterschiedlichkeiten von Anfang an auf dem Lehrplan. Neu sind Begriffe wie Ausgrenzung und Rassismus  an der Grundschule Pannesheide deshalb höchstens den „Ersties“. Und auch die verstehen schnell, dass man gegen die ungerechte Behandlung  von Menschen aufgrund irgendeines Anders-Seins und auch gegen die allzu große Macht Einzelner seine Stimme erheben darf und sollte.

 

Erstaunlich trotzdem, was die 6- bis 11-Jährigen angesichts des Besuches des jüdischen Autors schon in der vorangegangenen Projektwoche  an Fragen formulieren: „Warum wollte Adolf Hitler Deutschland ganz alleine regieren?“ -„Hitler war doch so grausam. Warum sind eigentlich nicht alle Juden geflohen?“  - „Ohne Juden war es in Deutschland doch dann ziemlich doof, oder?“ - „Was passierte mit den Juden, die überlebt hatten?“ - „Wie war es möglich, dass der Führer so viele Menschen auf seine Seite ziehen konnte?“ - Und auch: „Was passierte nach dem Krieg mit den Nazis?“ – Der Gast wird auch ganz persönlich angesprochen: „Nachdem du das alles erfahren hast:  Ist Deutschland noch deine Heimat? Fühlst du dich wohl hier?“ – Ja, Lorenz Beckhardt  fühlt sich wohl im heutigen Deutschland, auf jeden Fall hier und heute in der Grundschule Pannesheide. Insbesondere freut ihn das ehrliche Interesse der jungen Generation an dem lange totgeschwiegenen Thema und deren wachsende Achtsamkeit. Genau darum geht es ihm schließlich bei seiner Lesereise.

 

Viel zu schnell ist die Stunde vergangen und längst nicht alle vorab gesammelten Fragen konnten gestellt werden.  Die gehen aber nicht verloren, sondern kleben jetzt für mögliche Nachbereitungen  auf zwei großen Plakaten. Schließlich gehen die Projektwochen ja weiter. Einzelne Gruppen arbeiten noch zu Themen wie `Die Weiße Rose‘‚ `Anne Frank‘ oder zu den `Weltreligionen‘ und es wird auch noch eine kleine Schüler-Infothek über Adolf Hitler und den Nationalsozialismus geben.

 

 Als sich das Ende der Veranstaltung ankündigt, stehen die Kinder auf und singen, CD-und Kollegiums-unterstützt, gemeinsam Udo Lindenbergs „Wir ziehen in den Frieden“. Alle sind mit Andacht bei der Sache. Ich sehe den Gesichtern an, dass der Text ihnen etwas bedeutet. Lorenz Beckhardt ist gerührt. Spätestens jetzt will er gar nicht mehr weg.  – „Komm doch einfach noch mal wieder!“, schlägt eines der Kinder vor und erntet mit diesem Vorschlag  den Applaus der Mitschüler*innen. - Das sagt Lorenz Beckhardt den Kindern gerne zu, bevor er mit der Schulleiterin zur Käthe-Kollwitz-Schule in die Herzogenrather Innenstadt aufbricht. Auch die Förderschule ist schon Mitglied bei „SoR-SmC“.

 

Christiane Hauschulz - Schulsozialarbeiterin an der Grundschule Pannesheide-   Herzogenrath, den 21.03.2019